Control Banding

Arbeiten mit potentiell gesundheits-gefährdenden Materialien. Foto mit freundlicher Genehmigung von Prof. Hofmann, EPFL

Damit beim Umgang mit Nanomaterialien die richtigen Schutzmaßnahmen angewendet werden, wird häufig ein sogenannter „Control Banding Approach“ (Abstufung der Schutzmaßnahmen je nach potentieller Gefahr des verwendeten Materials) eingesetzt, welcher hier vorgestellt wird. Analoge Ansätze verwendet man auch bei der Klassifizierung von Schutzmaßnahmen im Umgang mit Chemikalien oder biologischen Risiken. Unterschieden wird meist zwischen hohem, mittlerem und niedrigem Risiko. Die Klassifizierung hängt ab von den Eigenschaften des verwendeten Materials, den verwendeten Mengen sowie der zu erwartenden Freisetzung des Materials (LUBW 2009, AUVA 2010):

  • Unter die Kategorie (potentiell) „hohes Risiko“ fallen sogenannte PBT Stoffe (persistent, bioakkumulierend, toxisch), und solche, die leicht aufgenommen werden. Ein Beispiel sind lange, starre mehrwandige Carbon Nanotubes (MWCNT). Auf Grund des Vorsorgeprinzips werden auch Materialien, zu deren Toxizität erst wenig bekannt ist, der höchsten Gefährdungsstufe zugeordnet. Zu den risikobehafteten Anwendungen gehören insbesondere das Arbeiten mit Pulvern sowie Sprühanwendungen. Auch tägliche, langanhaltende Expositionen oder das Fehlen bzw. Überschreiten von Grenzwerten führen zu einer Einstufung unter „hohes Risiko“.
  • Ein mittleres Risiko weisen beispielsweise unlösliche, phagozytierbare Nanomaterialien ohne stoffspezifische Toxizität oder lösliche Nanomaterialien mit gesundheits-gefährdenden Eigenschaften auf, falls sie nicht in großen Mengen freigesetzt werden. Ein mittleres Risiko können auch Spritzer von Flüssigkeiten oder Abriebe von Granulaten darstellen.
  • Von einem niedrigen Risiko geht man aus, wenn die verwendeten Nanomaterialien keine gesundheitsgefährdenden Eigenschaften haben, fest in eine Matrix eingebunden sind, Grenzwerte deutlich unterschritten werden oder die Exposition ausgeschlossen werden kann. Technische Maßnahmen (s. das STOP-Prinzip) können das Risiko von allen Anwendungen auf ein niedriges Niveau senken, da sich mit ihnen die Exposition vermeiden lässt.
Arbeiten mit Nanomaterialien in einem Labor der höchsten Sicherheitsstufe. © 2014 - Die Innovationsgesellschaft mbH

Die ISO hat zum Control Banding im Umgang mit Nanomaterialien im Januar 2014 den technischen Standard ISO/TS 12901-2:2014 publiziert. Eine umfassende Empfehlung für die Gefährdungsbeurteilung haben der VCI und das BAuA veröffentlicht (2012).

Quellen und weitere Informationen: